
An dieser Stelle möchte ich einige Ideen zu eigenen Eröffnungsvarianten darlegen.
Mein Erföffnungsrepertoire ist eher von Halbwissen als von fundierten Kenntnissen
geprägt. Auf Grund meiner wenigen Turnierpartien ist es für einen ‚Schach-Touristen’
sehr schwer, seine einmal erlernten Varianten im Gedächtnis zu bewahren und dann
punktgenau auch anzuwenden. Unterstellt man dann noch, dass der Erfolg einer Partie
in hohem Maße von der Eröffnung abhängt, weiß man, wo es im Argen liegt.
Immer wieder gerate ich in Varianten, die ich eigentlich ‚kennen müsste’, da sie
zu meinem Standardrepertoire gehören. Aber in Wirklichkeit kenne ich mich gerade
einmal mit einer ungefähren Zugfolge aus, von den wirklichen Motiven dieser Stellung
einmal ganz zu schweigen. Deshalb ist es natürlich ein gutes Mittel, immer wieder
die eigenen Partien zu studieren und darin ganz objektiv nach den richtigen Plänen
zu forschen.
Wie hat doch einmal ein Klubkollegen zu gesagt, nachdem ich zum wiederholten Male
in einer bekannten Stellung ‚experimentierte’: „Kennst du die Variante denn immer
noch nicht ?!“ Er hatte recht, denn wer ins Horn bläst, soltle schon die Noten kennen
!
Damit sich einige Finger- und Gedächtnisübungen besser einprägen, habe ich zu bestimmten
(Neben)Varianten meine Erkenntnisse aufgeschrieben. Ob ich mit diesen Kommentare
und Recherchen der Wahrheit nahe komme, mögen andere entscheiden, mir hat alleine
die Arbeit daran gefallen und Spaß gemacht. Vielleicht hilft es ja bei einer meiner
nächsten Partien !

Spanisch, Abtausch-Variante mit 5.Dd6 (C 68)
Vor langer Zeit nach der Schachrechnung bin ich der Tarrasch-Variante in der Französischen Partie verfallen. Vom Charakter her vielleicht nicht so ideal, von der Komplexität der Abspiele eher undurchsichtig. Aber manchmal bleibt man Dingen und Meinungen treu, ohne immer genau zu wissen, warum. Es ist einfach so…
Also spiele ich nach den typisch französischen Anfangszügel meinen Damenspringer brav nach d2 und harre der Dinge, die da kommen mögen. Häufig mit zweifelhaftem Erfolg ! Von einem Kollegen der Zunft wurde mein Spiel in einer dieser Nebenvariante einmal sarkastisch mit den Worten kommentiert: „Heinz, Du spielst das Zeug jetzt schon so lange, hast du es denn immer noch nicht gelernt !“ Und es stimmt natürlich, ich verstehe die vielen Motive immer noch nicht und greife häufig fehl, wenn es z.B. darum geht, eine logische Fortsetzung im Mittelspiel zu finden – sofern ich dieses überhaupt erreiche !


Hier möchte ich jetzt eine Variante kommentieren, zu der sich eine schachspielender
Troubadour der Darmstädter Szene einmal als „größter lebender Experte“ geoutet hatte
! Das war vor zehn Jahren. Ich nenne sie seit unserer burlesken Schnellpartie einfach
nur die „Alaaf-und-Helau-Variante“ !
Aber sehen Sie selbst. Die Stellung entsteht nach dem 11.Zug von Schwarz, nämlich
11…Dc7. Meine durchaus bescheidene Datenbank weist hierzu insgesamt 2.171 Partien
aus. Die Statistik nach ChessBase besagt,
dass „Schwarz nur durchschnittlich punktet (44 %)
dass es 40 % Weiß-Siege gibt und 32 % Remis-Spiele
dass alle Partien durchschnittliche Länge haben (sowohl Gewinn- als Auch Remis-Partien)
Die Theorie kennt eine Vielzahl von Fortsetzungen für den 12. Zug, wovon 12.Lg5 und
12.Sc3 die häufigsten sind. Auch in der historischen Allaaf-und-Helau-Partie wählte
ich 12.Sc3, um dann aber mit 15.Le2 ? deutlich daneben zu greifen. Ganz im Sinne
von Alaaf-und Helau eben !
Französisch – Tarrasch Variante - „Alaaf und Helau !“ (C06)