wpf065d574_02.jpg
Frankreich  18ième Open International d'Echecs de Sélestat  vom 03.-06.03.2011   ----------->>>>> Link zum Open
wp4ff233c7_02.jpg

In diesem Jahr fand das Open Sélestat fast zwei Wochen später statt, immer an die französischen Schulferien im Elsaß angepasst. Es gab wieder zwei Gruppen, in der A-Gruppe (> 1700 ELO) hatten diesmal nur 85 Spieler gemeldet, darunter 4 GM, 5 IM und 7 FM. Immerhin lag die Spielstärke der  Hälfte der Spieler über 2000 ELO. In der B-Gruppe (< 1800 ELO) spielten 145 Teilnehmer um den Sieg.

 

Mit meiner ELO-Zahl von noch 1945 lag ich  etwa im Mittelfeld der A-Gruppe und hatte deshalb in der 1. Runde das große Losglück (!) gegen den späteren Sieger, GM Alexandr Karpatchev (2472) zu spielen. Mein Minimalziel von 50 % (3,5 aus 7 Punkten) konnte ich zwar auch diesmal wieder erreichen, allerdings tat ich mich erneut schwer, gegen die ehrgeizigen jungen und jüngsten Spieler zu punkten.  Sie haben ein gutes Eröffnungsrepertoire, sind taktisch auf der Höhe und legen ihre Partien vernünftig an. Dazu häufig ein guter Schuss Agressivität.

 

 

 

 

wp5dc2b5a2.jpg
wp0b755bbe_02.jpg

Runde 1:

Mit Weiß habe ich das Läuferspiel nicht konsequent genug behandelt, so dass Monsieur Karpatchev von Anfang an starken Druck auf meine Stellung ausüben konnte. In der nebenstehenden Stellung kam es dann zum Shown,down der von ihm überzeugend vorgetragen wurde.
 

Cors, HF. (1945) - Karpartchev, Alexandre (2472) 0-1
(C24) 18eme Open Selestat

 

Natürlich bedeutet Sélestat für mich auch immer ein wenig Urlaub, wenn auch zwischen den Partien wenig Zeit bleibt. Am ersten Tag beginnt die zweite Runde erst um 16:00 Uhr, so dass ich, einen „normalen Spielverlauf“ in der ersten Runde vorausgesetzt, noch jede Menge Zeit habe, meinen Nebentätigkeiten nachzugehen. Gegen GM Karpatchev wehrte ich mich zwar gute drei Stunden aber um 13:30 Uhr hatte ich dann doch frei. Diesmal stand der malerische Ort Kaysersberg auf meinem Programm, etwa 25 Km südlich von Sélestat.

 

Ein kleiner Spaziergang durch die Altstadt mit ihren bunten Fachwerkhäusern vermittelt mittelalterlichen Charme aber auch touristisches (Über)Treiben. Kaysersberg, die Geburtsstadt von Dr. Albert Schweitzer, ist außerdem bekannt durch seine Kunstglasbläserei. Überall werden die Produkte dieses Handwerks angeboten. Natürlich überwiegt auch hier das Touristische. Bei bestem Wetter  war dieser kleine Ausflug in Kunst und Kultur sehr angenehm und er bot ausreichend Abwechslung vom schachlichen Pflichtprogramm.

 

 

 

wp21c17799_02.jpg

Kaysersberg

Anscheinend hatte mich mein Spaziergang müde gemacht, denn in der zweiten Runde gelang es mir nicht, meinen jungen Gegner Nathan Ronce (1780) zu besiegen. Wieder eine Italienische Eröffnung, wieder wenig Spiel, wenige Ideen, den entscheidenden Vorteil umzusetzen. Vielleicht auch zu wenig Geduld. Als mein Gegner dann riskant spielte, verpasste ich irgendwie den besseren Zug und verblieb mit einem unklaren Figurenendspiel. Meiner Mehrqualität standen zwei Bauern gegenüber. Remis war deshalb nicht unlogisch.

wp2a735a43_02.jpg
wp153fbbec.jpg

In der dritten Runde konnte ich dann mein Punktekonto pflichtgemäß auf 50 % auffüllen. Wieder ein Läuferspiel, das ich diesmal konsequenter behandelte. Bei heterogenen Rochaden musste ich mir auf beiden Flügeln das Spiel offen halten.  Besonders als sich der schwarze Monarch  wieder auf den Weg zum K-Flügel machte ! Nach dem 41. Zug Dh4-e1 zeigte sich, dass sein König luftiger stand als meiner. Schwarz konnte sich möglicherweise besser verteidigen, aber als der b-Bauer fiel, war das schwarze Spiel verloren.

 

Natürlich hätte man sich ein taktischeres Ende gewünscht, aber da das  Königsendspiel einfach gewonnen war, gab ich die Versuche auf, nach einem Mattbild zu suchen.

 

Stellung nach 41.Dh4-e1

 

Cors, HF. (1945) - Gervais, Xavier (1775) 1-0
(C24) 18eme Open Selestat (3.33) 04.03.2011

 

 

wp4f9137f9_02.jpg
wp25df84fc_02.jpg

Ein Wort zu den jungen und jüngsten Spielern im Turnier. Die Statistik war wie folgt:

Vétérans : 15

 Seniors : 39

 Juniors : 4

 Cadets : 5

 Minimes : 12

 Benjamins : 9

 Pupilles : 1

Kategorien zum 1. Januar eines Jahres: „Jünger als..“

Petits Poussins  8 Jahre

Poussins:         10 Jahre

Pupilles:           12 Jahre

Benjamins:       14 Jahre

Minimes:          16 Jahre

Cadets:            18 Jahre

Juniors:            20 Jahre
Seniors:      <= 55 Jahre

Vétérans:       >55 Jahre

.

Nicolas Kern (Benjamin, 1769)                 

wp4e0cfb9f_02.jpg
wp3e6ab5e2_02.jpg

Alle Bilder aus der 4. Runde: Oben:

Schrems,Hermann (2201, 4,5 Punkte, 17.Platz)

- Veys,Vincent (Benjamin,1798, 4 Punkte, 34.Platz)  1:0


Links:  
 IM ROOS,Louis (2352, 5 Punkte, 6.Platz) - GM SOLOZHENKIN Evgeniy (2475, 5,5 Punkte, 3.Platz) 0:1

Rechts:IM ROOS Jean-Luc (2240, 4,5 Punkte, 21. Platz) - IM SOLOMUNOVIC Igor (2405, 4,5 Punkte, 25. Platz) 0:1

 

 Bild oben rechtrs aus der 4.Runde:


Louis Roos, MI,

 

Ein gewichtiges Wort mitzureden hatten natürlich die Senioren und Veteranen, die dann auch den Turniersieg untereinander ausmachten.  Aber bereits auf Platz 12 landete ein Pupille, Robert Baskin, mit 5 Punkten.

wp2a735a43_02.jpg
wp39130900_02.jpg

Während das B-Turnier im Historischen Saal im Erdgeschoss stattfindet, das A-Turnier im 1. Stock, gibt es für alle Spieler im 2. Stock einen sehr geräumigen Analysesaal. Hier  findet auch die Getränkeausgabe und mittags und abends die Restauration statt. Das Angebot ist abwechslungsreich und preislich sehr günstig.

wp3cb5f11d_02.jpg
wp9547d90b_02.jpg

Bleibt noch zu berichten, mit welchem Ergebnis ich diesmal nach Hause kam. Leider waren es auch 2011 wieder nur 50%, also 3,5 Punkte aus 7 möglichen. Der 43. Platz entspricht in etwa meinem Anfangsstartplatz 47. Auch diesmal habe ich wieder einige Möglichkeiten vergeben, wobei ein anderes Rundenergebnis natürlich auch immer zu anderen Gegnern geführt hätte.

 

 

Zum Beispiel habe ich in der nachfolgenden Partie aus Runde 4 gegen einen ‚alten Bekannten’, Slobodan Milutinovic, in aussichtsreicher Stellung Remis angeboten. Die Stellung war zweifellos noch nicht klar, aber eigentlich sollte man mit einer Mehr-Qualität solche Stellungen weiterspielen. Nur hatte mich die VormittagsPartie sehr viel Kraft gekostet, und die 30 Minuten Pause bis zur nächsten Runde waren keine wirkliche Erholung.

 

Nach  meinem letzten Zug  25....Kg7 bleiben noch genügend Ressourcen in der Stellung, die allerdings sehr vorsichtig eingesetzt werden müssen. Auch Weiß kann agressiv dagegen halten. Die Partie selbst war ohnehin ein rechtes Verwirrspiel, das mehr von Fehlern lebte als von fundierten eröffnungstheoretischen Kenntnissen.

 

Schlussstellung nach 25...Kg7

Milutinovic, Slobodan (1870) - Cors, HF. (1945) 1/2-½  (C84)

18eme Open Selestat (4.25) 09.03.2011

 

wp7686e57b.jpg
wp4606acd8.jpg

Ein wirklicher Lapsus passierte mir in der 5. Runde, als ich meinen jungen Gegner in einer Sizilianischen Nebenvariante überspielt hatte. Mein Läuferpaar war Chef im Ring, sein Königsturm stand abseits und meine Türme hatten die zentralen Linien klar im Griff. Nach seinem letzten Zug, 23...dxe4, übersah ich dummerweise die klare Widerlegung:

Nicht 24.Lb3 ?!, was nach 24...exf3 25.Lxc4 bxc4  26.gxf3 Lxf3 noch zu schwarzen Möglichkeiten geführt hätte, sondern 24.b3 !! Mit der gleichen Idee aber wesentlich stärkerer Kraft hätte dieser Zug zum Zusammenbruch der schwarzen Stellung geführt.

 

Stellung nach 23...Dxe4

 

Cors, HF. (1945) - Djemai, Djemal (1660) 1/2-½ (B32)

18eme Open Selestat (5.26) 05.03.2011

 

Mit 2,5 Punkten aus 5 Punkten hatte ich noch alles in der Hand, um ein Ergebnis „50% + X“ zu erreichen. Leider schaffte ich es in der nächsten Partie, einen wichtigen Zentralbauern einzustellen. Mein junger Gegner (s. Bild oben) spielte in der Folge mutig und wenn er auch nicht immer den stärksten Zug fand, reichte es letztlich zum Sieg.

 

In der letzten Partie kam wieder eine Sizilianische Stellung auf den Prüfstand, die ich schon des öfteren nicht sauber behandelt hatte. Diesmal war ich besser informiert und konnte elegant mit einem Opfer auf h7 abschliessen. Aber auch hier wieder nicht alles Licht, auch Schatten. Wer mag, spiele die Partie nach.

 

So  habe ich auch dieses Jahr wieder interessante Partien gespielt, wenngleich das Gesamtergebnis bei dieser Gegnerschaft unter meinen Möglichkeiten blieb. Egal, es war wieder eine Reise wert, und das kurze Beiprogramm bietet immer wieder Abwechslung.

 

Vielleicht schaffe ich es ja auch einmal, die bekannte Humanistische Bibliothek in Sélestat zu besuchen. Leider standen die Öffnungszeiten diesem Besuch bisher immer entgegen.   

wp68fb3152_02.jpg
wp40c21bb3_02.jpg
wp36835d27_02.jpg

6. Runde:

Kern, Nicolas (1769) - Cors, HF. (1945)

1-0
(C54) 18eme Open Selestat (6.25) 05.03.2011



7.Runde:

Cors, HF. (1945) - Devoille, Hugo (1806) 1-0
(B49) 18eme Open Selestat (7.27) 06.03.2011

wp9547d90b_02.jpg
wp2a735a43_02.jpg

IM Vadim Chernov gewinnt das 8. Niebelungenopen in Worms, Pfeddersheim 2011

 

Das diesjährige Niebelungenopen konnte einen Teilnehmerrekord verzeichnen ! Mit insgesamt 216 Spielern musste der Veranstalter auf die oberen Räume im Schulgebäude zurückgreifen, um alle Bretter unterzubringen. In der Spitze war das Turnier leider nicht ganz so besetzt, wie es bei anderen und ähnlichen Events üblich ist. Das schöne Wetter - Indian Summer ! - und die Tatsache, dass mit dem Feiertag am Montag wohl auch andere Veranstaltungen punkten konnten, waren wahrscheinlich verantwortlich dafür.  

 

Dennoch - es war ein gelungenes Schachereignis, und da ich ohnehin nur auf „meinem Niveau“  unterwegs bin, stören mich fehlende Grossmeister auch wenig. Als Nummer 65 in der Setzliste finde ich immer Gegner, die ausserhalb meiner Reichweite sind. Ich habe ausreichend Probleme, in meinen Regionen zu punkten und noch schwieriger wird es anscheinend, wenn man vermeintlich schwächere Gegner besiegen muss. Irgendwann einmal habe ich festgestellt, dass ein Unterschied von 200 ELO-Punkten entscheidend ist, dass dieser Unterschied vom schwächeren Spieler nicht ausgeglichen werden kann. Aber natürlich gibt es - wie bei jeder Regel - auch hier Ausnahmen ! Dennoch, ich halte viel von diesem Grundsatz. Der schwächere Spieler kann durchaus 100 Punkte über seinem Niveau spielen, der stärkere eine um 100 Punkte schwächere Tagesform zeigen. Dann reichen 200 Punkte Unterschied nicht, es kann zu einer „Überraschung“ kommen. Bei mehr als 200 Punkten Unterschied aber sollte der Ausgang der Partie klar sein.

 

Diesmal bestätigte sich für mich die Regel. Mit einem Ergebnis von 4,5 Punkte aus 7 hatte ich mein Ziel erreicht und alles in allem interessante Partien gespielt. Ich konnte mein Ziel von „50 % + X“  erreichen und war ausserdem zufrieden mit meinen Partien. Dazu kamen interessante Gespräche und Analysen.  In den Pausen an diesen herbstlichen Tagen habe ich den größten Englischen Garten Rheinland Pfalz genossen, den Schlossgarten in Herrnsheim. Hier wurde die Mittagspause für mich zu einer wahren Erholung.  Die Bilder vermitteln ein wenig die fast ‚pastorale Ruhe’ dieses Ortes.

 

 

In dieser Schlussstellung hatte ich 41.a3 geplant und auf Sa4 gehofft (42.b4). Aber irgendwie war ich müde und hatte keinen Mut mehr, die Stellung zu Ende zu spielen.  Hier die ganze Partie:
 

Cors, HF. (1815) - Kronenburg, Bernd (1670) 1/2:1/2 (B34) 8. Wormser Niebelungen Open (3.45)

 

 

wp7693edd6_02.jpg
Turnier                                      8. Niebelungen Open in der Paternus-Schule in Worms-Pfeddersheim    30.9-3.10.2011                   
wpc166f350.jpg
wp656d7add_02.jpg
wpde0b4c86_02.jpg
wp7ad27890_02.jpg

Jetzt soll aber auch von Schach geredet werden, denn das war ja der Zweck der Übung.

 

In der 1. Runde konnte ich gegen einen jungen Gegner ohne Probleme gewinnen. In der nebenstehenden Stellung nach 22...Ke8 hätte ich mit 23.Sg7 ein zweizügiges Springer-Matt erreichen können (23.Sg7+ Kd8 24.Se6+) . Ich setzte leider viel profaner mit 23.Dh5+ fort, was meinen Gegner aber ebenfalls zur Aufgabe zwang.

 

Cors,HF (1815)-Gaul,Richard (1345)

Stellung nach 22...Ke8

wpeb0c555c.jpg

In der 2.Runde kam es dann, wie es kommen musste. Gegen Andreas Lambert (2204) hatte ich aus der Eröffnung heraus das schlechtere Spiel und die wenigen Chancen, die Stellung zu verbessern, nutzte ich nicht.


Diese Englische Eröffnung ist anscheinend für Schwarz nicht sonderlich gut, auf jeden Fall habe ich die Motive und Möglichkeiten nicht wirklich verstanden. Zeit zum Lernen ! Oder aber Umstellung auf eine andere Variante, so geht es jedenfalls nicht in diesem Abspiel weiter !

 

In der Stellung rechts hätte ich mit 21...f4! durchaus noch mitreden können. Diesen Zug habe ich leider unterschätzt, dabei liegt er eigentlich auf der Hand.
Meine Idee, den Springer nach e4 zu führen, ist viel zu passiv und nicht von Bestand. Mit f4 dagegen werden Läuferdiagonale geöffnet und Schwarz bekommt - z.B. auch mit g5 - Gegenspiel.

 

 


 

 

wpaed40138.jpg

Hier die ganze Partie:

Lambert, Andreas(2204)- Cors, HF. (1815)

(A18) 8. Wormser Niebelungenopen (2.10)

 

Am Samstagnachmittag sollte ich in der dritten Runde mit Weiß wieder einmal das Beschleunigte (Drachen)Fianchetto im Sizilianer vorgesetzt bekommen. Diese Spiele werden entweder immer recht ruhig oder aber recht scharf - wie es dem Schwarzen beliebt ! Nach meiner kurzen Rochade und den schwarzen Zügen a6 und d6 kam es zum zweiten Fall. Es war schwer, alle Drohungen und Gegendrohungen im Blick zu behalten und, nachdem ich nach seim Patzer (24..Kg7 ?) den Gewinnzug 28.Sxf6 ausgelassen hatte, landete ich schließlich in einem Springer/Läuferendspiel mit einem Mehrbauern. Müde des Gerangels und nicht ganz sicher, ob das Weiterspielen Erfolg haben würde, nahm ich dann das Remis an. Eigentlich ein verschenkter halber Punkt, aber eine interessante Partie. Hier die Schlussstellung:      

 

diese Entscheidung liegt mehr oder weniger beim Schwarzen. Jetzt soll aber auch von Schach geredet werden, denn das war ja der Zweck der Übung.

 

In der 1. Runde konnte gegen einen jungen Gegner ohne Probleme gewinnen. In der nebenstehenden Stellung nach 22...Ke8 hätte ich mit 23.Sg7 ein zweizügiges Springer-Matt erreichen können(23.Sg7+ Kd8 24.Se6+) . Ich setzte leider viel profaner mit 23.Dh5+ fort, was meinen Gegner aber ebenfalls zur Aufgabe zwang.

 

wpfe6f62c0.jpg
wp6c848056_02.jpg

Und während draußen in Wald und Flur  der Herbst sich von seiner farbenprächtigsten Seite zeigte  und sich der Odenwald vor lauter Äpfeln nur so schüttelte, hockten wir Schachjünger in einem riesigen Saal und brüteten in mehr oder weniger frischer Luft über Probleme, die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun haben !

 

Warum tut man sich das an ? Vielleicht sollten wir diese Frage nicht stellen und uns einfach am Schachspiel erfreuen.

Der Weg ist das Ziel !

Der Sonntag brachte mir gleich zwei Punkte, wobei der Schwarzsieg im Nimzoinder am Schluss etwas glücklich war - mein Gegner stellte die Partie einzügig ein ! Dennoch war der Sieg nicht unverdient und die Partie war auch eröffnungstechnisch recht interessant.

Nachmittags dann wieder das Beschleunigte (Drachen) Fianchetto, diesmal aber in der ruhigen Variante. Mein junger Gegner spulte die ersten 13 Züge sehr schnell herunter, wobei sein letzter Zug prompt einen Bauern einstellte (rechtes Diagramm).

wpac65822d.jpg

Stellung nach 13...Le6

 

Die Theorie nennt hier anstelle von 13...Le6 den Zug 13...Tb8. Nach der weißen Antwort 14.Dc1 kann der Bauer mit 14...c5! gesichert werden. Es entsteht ein verteiltes Spiel, das trotz der übersichtlichen Stellung und des reduzierten Materials recht dynamisch werden kann.

 

Hier die ganze Partie:
Cors, HF. (1815) - Bingert, Tim Niklas (1781) 1-0  (B34)

 

wp8e98006d.jpg

Stellung nach 11.Ld2

 

Ich glaubte, den Se4 mit f5  stützen zu müssen , da ich nach 11...Sxd2 das Zwischenschach auf h7 fürchtete. Ein „Denkfehfehler“, wie sich herausstellte, denn der Abzug des Ld3 gibt auch die Deckung des Bauern c4 auf, so dass Schwarz nach dem Schach im Zentrum Vorteil gewinnt.

Hier die ganze Partie:
Köhler, Gernot, Dr. (1840) - Cors, HF. (1815) 0-1
(
E32)

 

Jetzt hatte ich nach fünf Runden bereits mein Minimalziel von 50% erreicht, eine sehr gute Ausgangslage für die letzten zwei Runden.

 

In der 6. Runde kam die Abtauschvariante der Spanischen Partie aufs Brett. Da ich diese Eröffnung häufiger trainiert hatte, freute ich mich darauf, meine Kenntnisse gegen diesen Gegner zu prüfen. Ich erreichte nach dem Damentausch eine feste Stellung und Weiß gelang es nicht, entscheidenden Vorteil zu bekommen. Im Gegenteil, in sehr hoher Zeitnot von Weiß hätte ich es zum Schluss mit einem Bauerngewinn noch einmal spannend machen können. Aber da ich diesen Zug am Brett nicht sah, ist es auch müßig, darüber zu spekulieren. Gegen ELO 2100 (DWZ 1999) war ich mit dem halben Punkt auch durchaus zufrieden.)

wpee2a51a1.jpg

Diagramm links nach 20.Lxd6

Täger, Torsten (2100) - Cors, HF. (1935) 1/2-1/2
(C68) 8. Wormser Niebelungenopen (6.20)

 

Die letzte Runde verlief für mich recht kurios ! Auch hier entstand eine mir bekannte Variante, die Tarrasch-Verteidigung in der Französischen Eröffnung.

 

Als ich sah, dass in der nebenstehenden Stellung rechts das Abzugschach auf g6 eben nicht zum Damengewinn führte, war es mir fast peinlich, dass ich diesen Einschlag nicht kannte. Nach 15.Lg6+ ?!? hxg6 16.Dxd4 Lxh2+ 17.Kh1 Le5+ (Lf4+ führt zum Remis) 18.Dh4! Txh4 19.Lxh4 Ke7 ist Schwarz im Vorteil.

Diagramm rechts:

Cors, HF. (1935) - Hain, Gunter (2097) 1/2-1/2
(C06) 8. Wormser Niebelungenopen (7.24)

 

wpec516c22.jpg
wpb8b4d1ae_02.jpg

Mit 4,5 von 7 möglichen Punkten war ich mit meinem Abschneiden recht zufrieden. Auf Platz 65 der Setzliste gemeldet, landete ich zum Schluss auf dem 46. Platz, mit einem Gewinn von 28 DWZ-Punkten. Auch meine Partien waren insgesamt interessant und bei etwas mehr Durchsetzungsvermögen (3., 6. und 7.Runde), hätte ich vielleicht sogar Chancen gehabt, zum erstenmal in meiner „Open-Historie“ auf fünf Punkte zu kommen.  Aber ein Punkt Unterschied ist in diesem Bereich eigentlich  schon ein Klassenunterschied.

In jedem Fall war es wieder ein gutes Turnier, das ich nicht nur auf Grund des schönen Wetters und meiner Mittagspausen im Schlossgarten Herrnsheim in Erinnerung behalten werde.

wp89176572_02.jpg

Schlosscafé Herrnsheim

Zum Schluss möchte ich noch eine spannende Partie zeigen, die von S.Commercon (2141) gegen H. Schrems (2189) in der 6. Runde gespielt wurde.

 

Simon Commercon landete mit 6 Punkten auf dem 5. Platz. In der Schlussrunde schlug er noch den FM M.Müller. Herr Schrems, der mir auch vom Open in Séléstat bekannt ist, gewann mit 5,5 Punkten den Seniorenpreis ! Insgesamt belegte er  Platz  9 in der Schlusstabelle, wieder eine überzeugende Leistung.

 

Hier die anspruchsvolle Schlussstellung nach 29...Ta1+, in der sich Schwarz mit Dauerschach zufrieden geben musste:  

 

Zum Schluss noch der Endstand an der Tabellenspitze aus dem Vereinsbulletin:

 

Mit 6,5 Punkten aus sieben Partien gewinnt IM Vadim Chernov (SK Ladenburg) das 8. Wormser Nibelungenopen. Mit jeweils sechs Punkten folgen dahinter Christoph Schild (TSV Schott Mainz), FM Karl-Jasmin Muranyi (SV Worms 1878 ), Patrick Sieber (SC Landskrone) und Simon Commercon (SC Pirmasens).

 

216 Teilnehmer bedeuten neuen Rekord!

 

Alle Informationen zum Turnier finden sie hier.

8. NiebelungenOpen in Worms-Pfeddersheim 30.09.-3.10.2011

wpaa8123e4.jpg

Commercon, Simon (2141) - Schrems, Hermann (2189)    1/2-1/2
(B03) 8. Wormser Niebelungenopen (6.3)